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Paraguay PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, 10. September 2008 13:23

Geschichten zur „sanften Widerborstigkeit“ von Paraguay

Wenn man ein Land zum ersten Mal aus der Luft sieht, dann trügt der erste Eindruck nur selten. Nach fast 24 Stunden Reisezeit sah ich die ersten Lapachobäume, die ich freilich für japanische Kirschblüten hielt, und ich sah zum ersten Mal aus der Luft die rote Erde Paraguays, die flachhügelige Landschaft und in der Ferne funkelnd das Wasser aus dem Y des Landes von der Sonne des Südens im Winter bestrahlt.
Der Grund meines Besuches war meine älteste Tochter Rafaela, der es gefallen hat in diesem Land ihre Zelte aufzuschlagen.

lapachobaum.gif

 

Alles, was ich dort erlebt und gesehen habe entsprach meinem ersten Eindruck:
Trotz oder sogar wegen  seiner sanften Widerborstigkeit war alles nur schön:
Ich habe erlebt wie diese rote Erde bei Regengüssen in kurzer Zeit sich wandeln kann und dann zur Schmierseife wird mit ähnlichen Eigenschaften, wie Wasser, das zu Eis geworden ist. Aus dieser Schmierseife gibt es mit dem Auto kein Entkommen.

rscn0467.jpg Eine Zahnpasta, die ich kaufen wollte, und die Verwechslung von zwei Straßennamen, hatte uns auf Abwege gebracht. Fortuna hat den  Menschen von Paraguay zum Glück mit einer großen Freundlichkeit ausgestattet und so hat uns der Schreiner des Ortes mit seinem Auto zurück auf den "rechten Weg" gezogen. Ohne Glück und die rechten Menschen an deiner Seite kannst du in diesem Land nicht sehr weit kommen.

Rafaela hat in diesem Land nicht nur Spanisch, sonder genau so gut reiten gelernt. Beim Reiten wollte ich natürlich auch  als Held dabei sein. Der „Pferdeprofessor“  hat mit das tollste Ross im Stall gegeben. Aber wahrscheinlich hatte dieses Pferd nur durch eine Verwechslung sein etwas zweifelhaftes Vergnügen mit mir.  Es war wohl eher für unseren Reitstar in der Familie gedacht und es besteht kein Zweifel:

 

Ich bin es definitiv nicht. Ich habe mich todesmutig auf das weiße Ross mit Arabereinschlag gesetzt und meine Kenntnisse aus Assistenzarzt-Zeiten ausgekramt. „Hacken runter, das Pferd am Zügel nehmen“

 


Was macht dieses Ross?  Es geht tänzelnd Schritt um Schritt zurück. Unsichtbaren Befehlen gehorchend, die ich ihm gegeben habe, aber gar nicht geben wollte.
Zu allem Unglück war der Pferdeprofessor mit einem Turnier beschäftigt und konnte sich nicht um den schwächsten aller Schüler kümmern und so größeres Unglück abwenden.  Auf dem Platz waren nur der Sattelknecht, Rafaela und ein Pferdenarr, der Pferde wie andere Frauen sammelt und auch entsprechend schlecht geritten ist.
Ich dachte mir, was der kann, das kannst du auch. Ich habe mein Pferd in den himmlischsten aller Trabe versetzt und mit der Genauigkeit eines Apothekers die Hochs und Tiefs des Pferderückens nachgemacht - nur leider muss ich zugeben -hat die gegenseitige Abstimmung zwischen Pferd und Reiter nicht so ganz gepasst und zur Ehrenrettung meines Pferdes muss ich sagen : das lag am wenigsten am Pferd.
Rafaela meinte:  „nicht schlecht für den Anfang wie wäre es mit einem netten kleinen Galopp?“ Ich: Da hängt ein Seil quer über die Bahn, da stehen Stangen rum. Meinst du, ich will über das Seil mit meinem Pferde  fliegen nur wegen einem lächerlichen Galopp? Ich wollte ja nicht zugeben, dass ich gar nicht mehr so genau wusste, wie mein sein Pferd vom Trott in den Galopp bringen sollte. Meistens machen das alle gemeinsam und der Reitlehrer schreit nur Trott, Galopp, Hacken runter und was ihm sonst noch in den Kopf kommt.


Und Pferde sind ja wie wir Menschen auch Herdentiere und machen dann so mit. Aber hier war ich der Meister auf dem Pferd. Ja leider. Kein Professor weit und breit. Fernmündlich musste ich erst Regieanweisung für mein Ross bei der Raffaela holen. „ Beide Hacken gleichzeitig: Trab. Sporen nur auf der einen Seite: Galopp“
Und ich mach das und das Pferd legt einen astreinen Galopp über eine halbe Bahn hin. Anschließend gekonnt und majestätisch Tritt. Was macht die Rafaela während dieser Zeit? Sie unterhält sich mit dem Pferdenarr statt mir zuzuschauen.
Na ja, eigentlich wollte ich nur einmal galoppieren. Ich dachte mir; kannst du es einmal wirst du es auch zweimal können.
Wie es geht, das weißt du ja nun. Schritt-Trott-Galopp. Nun so einen Galopp, den kann man - so man es kann - elegant aussitzen.
Darum habe ich mich mit Kräften bemüht und dabei die Stange nicht gesehen auf die mein Pferd zugelaufen ist. Pferde sehen ja nicht so gut. Aber dann hat mein Pferd die stehende Stange doch gesehen. Es hat gescheut ……ist….nach rechts ausgebrochen und ich nicht dumm, was mach ich gekonnt bin ich nach links gefallen….und das im schönsten Galopp…da hatten wir den Salat. Zum Glück kein Hals- und Beinbruch.


I

Ich wollte schnell zurück zu Rafaela's rotem Auto:  mich in Sicherheit bringen. Zum Glück hat sie das nicht zugelassen und ich bin in elegantem Schritt auf dem Pferderücken vom Platz gegangen und nicht vom Platz geflogen.
Rafaela hat mir ihr Autochen anvertraut und ich durfte es von der Bahn bis zum Stall fahren.
Es war nicht zu übersehen dass dieses Auto die Fahreigenschaften eines wilden kleinen Pferdes mit entsprechender Widerborstigkeit hat. Rafaela hat dies wohl nicht gewusst oder nicht ernst genommen.


Ich hatte ein sehr straffes Programm für meine 13 Tage in Paraguay.  Kurz nach dem Abenteuer mit dem Araber-Blut sind wir zusammen mit Rafaelas wundervoller Chefin Alice….die diesen Namen bestimmt zu recht trägt zum Essen gefahren. Sie müsste aber nicht Alice aus dem Wunderland sondern eher Alice aus dem Abenteuerland heißen. Und wenn sie ihre Abenteuer aus dem Abenteuerland erzählt dann entsteht aus jedem Abenteuer ein erzähltes kleines Wunder. Erzählen, das kann Alice wunderbar. Wir fahren gemeinsam in eine Straße in diesem Wunderland Paraguay, in dem einen morgens die Hähne und die Alarmanlagen der Autos gleichzeitig um die Wette wecken, und wir fahren in eine Straße  in  die sich nie ein Touri hinverirrt. Bayerische Fahne. Bayerisches Wirtshausschild .Bayerische Speisekarte.

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Hier ist unser Ziel.  Wir raus aus dem Auto. Schnellen Schrittes Richtung Speisekarte. Hier war ich wie immer der Schnellste. Plötzlich schreit Alice: schnell, schnell: das Auto kommt, es kommt uns hinterher. Es hatte schon lustig Fahrt aufgenommen und sich auf einer schrägen Ebene seinem eleganten Vordermann bedenklich angenähert. Zu dritt und von vorne gelang es uns dieses rote, widerborstige Auto zu stoppen, das uns wahrscheinlich nur übelgenommen hatte, das wir alleine zum Essen wollten. Dies möchte ich nur zur Ehrenrettung von der Rafaela sagen.

 

Um ihre Ehre vollends wieder herzustellen möchte ich allen, die sich dafür interessieren bei der nächsten Folge erzählen wie sie es fertig gebracht hat, dass mich der Botschafter der Schweiz an meinem ersten Urlaubstag in Paraguay mit Handschlag begrüßt hat und wie man es fertig bringt doch noch drei Karten für ein Abenteuer mit der Dampflock zu bekommen und das obwohl der Zug schon mehr als voll ist und obwohl noch mehr als 30 Sonntagfrühaufsteher vor uns  in der Reihe standen.

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 Goodbye Paraguay. DJR

 

 

 

 

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